Neue Lösungen für sich ändernde Mobilitätsbedürfnisse

Mit allride hat AMAG vor Kurzem eine «multimodale Mobilitätslösung» auf den Markt gebracht. Ein Unternehmen, welches die meisten von uns vermutlich vor allem mit dem Auto in Verbindung bringen, engagiert sich im Bereich Car- und Bikesharing – und erst noch mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln? Ganz offensichtlich verändern sich unsere Mobilitätsbedürfnisse und damit die Nachfrage auf dem Markt. Wir haben uns mit dem Projektverantwortlichen Arjan Vlaskamp getroffen, um über neue Konzepte, gemischte Fuhrparks und Online-Kalender zu sprechen.

Herr Vlaskamp, was genau dürfen wir uns unter allride vorstellen?

allride ist ein neues Angebot aus dem AMAG Lab. Es ist eine Weiterentwicklung der Mobility-as-a-Service Plattform Chipi. Bei Chipi handelte es sich um eine Dienstleistung, mit der wir Mobilität im öffentlichen Raum bereitstellten. Nutzerinnen und Nutzer fanden in der App verschiedene Sharing- und andere Mobilitätsangebote im öffentlichen Raum. Damit zusammenhängende Marktanalysen haben uns gezeigt, dass wir uns nicht zu sehr auf die Innenstadt konzentrieren dürfen. Mobilität beginnt zu Hause, deswegen haben wir ein Angebot für Wohnareale und für Unternehmen konzipiert.

«Die heutige Raumentwicklung verändert die Ausgangslage.»

Können Sie das ein wenig genauer erläutern?

Der Startpunkt unserer Mobilität ist in vielen Fällen der Wohnort. Von dort aus wollen wir zum Einkaufen, zur Arbeit und zu vielen anderen Zielen gelangen. Die heutige Raumentwicklung und die typische Bautätigkeit verändern jedoch die Ausgangslage: Begleitend zu neuen Wohnüberbauungen entstehen heute nicht mehr gleich viele Parkmöglichkeiten wie früher. Die klassische Vorstellung vom Apartment, zu dem man zwei Stellplätze in der Tiefgarage bekommt, wird es immer weniger geben. Das ändert aber nichts daran, dass Menschen weiterhin ein Mobilitätsbedürfnis haben. Deswegen halten wir es für essenziell, Mobilität zu den Menschen ins Areal zu bringen und ihnen zu ermöglichen, mit geteilten Fahrzeugen ihre Wege anzutreten.

Arjan Vlaskamp

Von welchen Fahrzeugen sprechen wir?

Bei der Zweirad-Mobilität arbeiten wir mit Spezialisten für Velo und E-Bike-Vermietung zusammen, die nach Situation Velos, Cargo-Bikes und E-Bikes zur Verfügung stellt und den Service übernehmen. Bei der Vierrad-Mobilität setzen wir aktuell ausschliesslich auf AMAG-Fahrzeuge, vor allem weil wir diese selbst betreuen können und sich damit viel Aufwand sparen lässt. allride ist aber so ausgelegt, dass wir prinzipiell auch Autos anderer Anbieter integrieren können.

Kommen ausschliesslich Elektrofahrzeuge zum Einsatz?

Ja. Zum einen steht für uns die Nachhaltigkeit im Fokus, und diese geht einher mit Elektromobilität. Zum anderen passen Elektroautos auch ideal zum stationsbasierten Sharing-Konzept. Da meist nur kurze Strecken gefahren werden, ist die Reichweite kein Thema. Zudem kann das Aufladen an dafür reservierten Plätzen im Areal stattfinden. Ein Verbrennerfahrzeug muss irgendwann betankt werden, wofür es zu einer Tankstelle kommen muss. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das unnötigen Zusatzaufwand.

«Unternehmen bieten mittlerweile oft Velos an, die von den Mitarbeitenden benutzt werden können.»

Jetzt haben wir über private Mobilitätsbedürfnisse in Wohnarealen gesprochen. Wie verändert sich die Mobilität von Unternehmen?

Viele Unternehmen sind dabei, ihre Fuhrparks anders zu gestalten. Auch hier wird geteilte Mobilität immer wichtiger: Statt Mitarbeitenden einen eigenen Dienstwagen zur Verfügung zu stellen, wie das lange üblich war, gibt es immer häufiger Poolfahrzeuge. Damit lässt sich der Einsatz der Fahrzeuge optimieren. Häufig wird für das Management der Flotte einfach ein Online-Kalender verwendet, was aber verschiedene Probleme mit sich bringt. Dort setzen wir an und wollen mit unserer Plattform allride Prozesse vereinfachen. Übrigens geht es längst nicht immer um Autos, auch Unternehmen bieten mittlerweile oft Velos an, die von den Mitarbeitenden benutzt werden können.

In welcher Projektphase befinden Sie sich aktuell?

Das Projekt ist in verschiedenen Arealen in der ganzen Schweiz aktiv. Wer sich jetzt aber die App herunterlädt, darf nicht überrascht sein, wenn keine Fahrzeuge angezeigt werden. In den meisten Fällen ist der Gedanke, dass diese den Bewohnerinnen und Bewohnern exklusiv zur Verfügung stehen und auch nur von ihnen gemietet werden können.

Gestatten Sie zum Abschluss die Frage: Was ist bei AMAG grundsätzlich die Motivation für solche Lösungen?

In den Köpfen der meisten Menschen sind wir ein «Autounternehmen». Wir möchten uns zu einem Anbieter von individueller, nachhaltiger Mobilität entwickeln. Dabei ist das Auto ein wichtiges Verkehrsmittel, aber wir wollen einen einfachen Zugang zu verschiedenen Formen der Mobilität gewährleisten.

Herr Vlaskamp, herzlichen Dank für das Gespräch!

Basel, 13.03.2024

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